Zinner


Am 10. Dezember 1908 erscheinen vor dem Handelsgericht Wien "Abtheilung Nr. VIII" die Herren Johann Kronfus, wohnhaft XVIII., Hildebrandgasse 9 und der Kaufmann Hugo Zinner, wohnhaft XVI., Gaullachergasse 55.

Hugo Zinner hat die Firma des Herrn Kronfus gekauft und wird künftig den Schriftverkehr der "fabriksmäßigen Erzeugung von Rollbalken, Sonnenplachen u. Gittern" wie folgt unterfertigen:


"Johann Kronfus Nfg.

Hugo Zinner"


Die Eintragung zur Einzelfirma erfolgt am nächsten Tag.

Ziemlich genau vier Jahre später erscheinen der Kaufmann Hugo Zinner, jetzt IX., Zimmermanngasse 1 und der Kaufmann Karl Zinner, XVI., Gaullachergasse 55 vor dem Handelsgericht. Beide, wahrscheinlich Vater und Sohn, haben einen Gesellschaftsvertrag geschlossen und stellen "behufs Eintragung in das Handelsregister" den Antrag, dass der Firmenwortlaut in

"Hugo Zinner & Co."


geändert wird. Gleichzeitig wird Karl Zinner als Gesellschafter eingetragen.


Irgendwann im Jahre 1919 stirbt Hugo Zinner, Universalerbin ist seine Frau Paula. Diese, "nunmehr verehelichte Feder", kommt am 12. September 1921 mit Karl Zinner, Kaufmann, XVI., Panikengasse 45, überein, dass er das Unternehmen als Alleineigentümer führen soll. Hugo Zinner wird als Gesellschafter gelöscht.


Am 2. November 1933 übernimmt Alfred Woltär die Firma von Ing. Karl Zinner; er wird weiterhin mit "Hugo Zinner & Co." zeichnen. Ing. Karl Zinner wird als Alleininhaber gelöscht.

Alfred Woltär stirbt am 13. Oktober 1937 "ohne Hinterlassung eines Testamentes", seine "erbl. Witwe Louise (richtig Aloisia)" erhält sechs Zehntel, Tochter Gertrude Jellinek vier Zehntel. Am 13. August 1938 wird Alfred Woltär als Firmeninhaber gelöscht, der Firmenname Hugo Zinner & Co. bleibt erhalten, Louise setzt fürderhin ihre Namensunterschrift darunter


Im Rahmen dieser Amtshandlung wurde auch gleich die Rassezugehörigkeit geklärt:

"Einschreiterinnen geben über Befragen an, daß Aloisia (Louise) Woltär Arierin nach den Nürnberger Gesetzen ist. Gertrude Jellinek ist Mischling." Anhand der Korrekturen ist zu erkennen, dass der Protokollführer ursprünglich von zwei arischen Einschreiterinnen ausgegangen ist. Von Gertrude Jellins, vormals Jellinek, geborene Woltär gibt es 1954 ein Lebenszeichen aus NSW, Australien.


Am 5. September 1940 lässt Louise Woltär dem Handelsgericht mitteilen, dass "die Firma Hugo Zinner & Co. kein Gewerbetrieb im eigentlichen Sinne ist, da sich dortselbst keine Erzeugungsstätte befindet." Der durchschnittliche Jahresumsatz wird mit 15.000 RM beziffert, heute knapp 85.000 Euro.

Mit dem 11. Dezember 1940 wird die Firma als gelöscht geführt.


Der langen Vorrede zum Trotz gibt es dann doch noch Abdeckungen, die nur den Namen Hugo Zinner tragen, kein Nfg., kein Co.


Die letzte Telefonnummer lautet entsprechend den Unterlagen beim Handelsgericht U 37-5-54, vielleicht steht also noch eine Abdeckung aus.


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