Wien Museum - Robicsek

Leopold Robicseks hat es mehrere gegeben, 42 Treffer listet "ANNO" auf. Nicht alle sind eindeutig mit dem Rollbalkenfabrikanten in Verbindung zu bringen. Einmal ist von einem Parkettenfabrikanten die Rede, eine Konstellation, die durchaus möglich sein könnte, als Einzelerscheinung aber keine Rolle spielt. Zweimal wird von einem Dr. Leopold Robicsek berichtet, er ist ein eindeutiges Streichergebnis, da in einer vollkommen anderen Branche tätig. Die meisten sind zum Glück aufgrund ihres Tätigkeitsbereichs bzw. ihrer Adressen klar zuzuweisen und dann gibt es einen Leopold Robicsek, der "in der laufenden Saison" 1880, dem Wiener Ruderclub Donauhort beigetreten ist. 1880_08_19_Robicsek_Ruderclub beigetreten_Allgemeine Sportzeitung_Seite 98 Genau ein Jahr später springt eben dieser Herr, leider ohne Berufsbezeichnung, dafür als "Mitglied des Rudervereins 'Donauhort'" ausgewiesen, in die Donau und wird als Lebensretter gefeiert. Die "Neue Freie Presse" berichtet in ihrer Morgenausgabe vom 24. August 1881, dass am Vorabend ein "ältlicher Herr [...] in Nußdorf beim Sperrschiffe" ins Wasser gefallen und von Herrn Robicsek an das Ufer zurückgebracht worden sei. 1881_08_24_Robicsek_Lebensretter_NeueFreiePresse_Seite 7 In der Morgenausgabe vom 26. August ist dann allerdings zu lesen, dass der Herr "eigentlich durch den Aufseher beim Sperrschiffe, Georg Zehetmayer, aus den Wellen gerettet worden" sei, 1881_08_26_Robicsek_Lebensretter_Neue Freie Presse_Seite 7_01 was in der Abendausgabe desselben Tages Herrn Robicsek auf den Plan ruft, der den gesamten Vorfall nun aus seiner Sicht schildert.

Im Archiv des Ruderclubs ist Robicsek zwar zu dieser Zeit als Mitglied geführt, es gibt aber keine weiteren Informationen zu Alter oder Beruf. Aufgrund der Charakteristik ähnlicher Vorkommnisse, wird er aber bis auf Weiteres die Geschichte um den Leopold Robicsek anführen.

1881_08_26_Robicsek_Lebensretter_Neue Freie Presse_Seite 18

Beim Ringtheaterbrand vom 8. Dezember wird er lt. Polizeibericht fälschlicherweise den Vermissten zugeordnet, was er in der Zeitung vom 10. Dezember richtigstellen lässt. 1881_12_10_Robicsek_Ringtheaterbrand_NeueFreiePresse_Seite 4

Die erste Notiz, die ihn in die Nähe von Metall bringt, stammt aus der Presse vom 6. Juni 1883. Im "Register für Gesellschaftsfirmen" werden Alexander Herzog und Leopold Robicsek als "Commissionshändler mit landwirthschaftlichen Maschinen und deren Bestandtheilen" eingetragen mit Sitz im 2. Bezirk, Praterstraße 50.

1883_06_06_Robicsek_Herzog_Firm-Protokollirungen_Presse_Seite 23

Gegen Ende des Jahres bietet ihnen die Neue Freie Presse Raum, um über die "Constellation des Maschinenmarktes" zu berichten. "Das Incasso aus den Geschäften verflossener Campagne ist im Allgemeinen nicht sehr befriedigend", schließt der "Original-Bericht" und das könnte womöglich heißen, dass das Werbeaufkommen in nächster Zeit nicht allzu hoch sein dürfte. 1883_11_24_Robicsek_Herzog_Bericht Maschinenverkäufe_Neue Freie Presse_Seite 10

Was es mit Alexander Herzog auf sich hatte, ist nicht ganz einfach zu recherchieren, gibt es doch auch einen Herzog von Parma, vor allem aber, quasi als Zeitgenossen, den Herzog Alexander von Württemberg. Und da von diesen Herrschaften fast jeder, ähm, Schritt dokumentiert wurde, nimmt er unter den Suchergebnissen eine recht dominante Rolle ein. Zu dem oben erwähnten "Commissionshändler" würde die Werbung für "Dampf-Dreschmaschinen und Locomobile" perfekt passen. 1887_06_26_Herzog_Dreschmaschinen_Neue Freie Presse_Seite 18

Von der Bräunerstraße aus bewirbt er später auch mit sehr langen Werbestrecken in unterschiedlichsten Zeitungen eine "neu patentirte Waschmaschine", mit der "eine Person die Wäsche einer größeren Haushaltung in 4 Stunden leicht ohne Anstrengung waschen kann." 1886_06_15_HErzog_Waschmaschinen kein gefürchteter Waschtag_Mährisches Tagblatt_Seite 9

Auf einen "Canal-Verschluss", der das "Ausströmen der Canal-Miasmen" verhindert, hält er ein Patent. 1889_04_21_Herzog_Schwitzbetten_Canal-Verschluss keine Miasmen_Der Floh_Seite 7 ,ein Patent-Schwitzbett gehört zu den eher skurrilen Artikeln seines Portfolios, das auch die Meidinger-Öfen beinhaltet.

Bis 1900 wird er noch ein paarmal im Realitätenverkehr zusammen mit Robicsek erwähnt, dieser ersteht im November 1885 im Alleingang vom Ehepaar Paschka das Haus in der Nestroygasse 6, Kaufpreis 18.000 fl., aktuell etwa 278.000 Euro. 1885_11_12_Robicsek_Kauf_Paschk_Neue Freie Presse_Seite 6


Ende März 1887 wird die "Fabrik für landwirthschaftliche Maschinen und Eisenconstructionen Julius Paschka" in

"Paschka'sche Fabrik für Maschinen und Eisenconstructionen Leop. Robicsek" umbenannt, man erspart sich damit eine Handvoll Buchstaben, 1887_03_23_Robicsek_Paschka_Umbenennung_Wiener Zeitung_Seite 18 was in der Praxis kaum eine Rolle spielt, denn das Neuigkeits Weltblatt lobt ein halbes Jahr später "ein neues verbessertes System total geräuschloser Rollbalken des Herrn Leopold Robicsek [...] (vorm. Paschka)", ein Privilegium, das auf Moriz Paschka zurückzuführen ist. 1887_09_11_Paschka_Robicsek_geräuschlos_NeuigkeitsWeltblatt_Seite 4_01

Ist der Autor dieses Beitrags schon begeistert, so wirkt der Kollege der Neuen Warte am Inn im darauffolgenden Frühling geradezu euphorisch. In der Rubrik "Gemeinnütziges" jubelt er unter Ausnützung gewisser orthographischer Freiheiten: "Zu den populärsten Erfindungen der Neuzeit gehören unbedingt die Stahlroll-Thüre auch Rollbalken genannt. Ihre Eigenschaft, daß sie nämlich geräuschlos gehen, läßt sich de facto auch darauf anwenden, daß sie sich geräuschlos ohne große Reclame überall einbürgern." Die derart dargereichte Hand lässt Robicsek kalt. In weiterer Folge ereifert sich der Redakteur über Erfinder, Erfindungen und die Rolle der Patentämter: "Du armer Narr!" lässt er die dort Verantwortlichen in seiner Phantasie über die Erfinder herziehen. "So einen nutzlosen Gegenstand läßt patentiren und zahlt noch dafür Patentgebühren; allein der Erfinder der seine Erfindung mit denselben Augen ansieht wie eine Mutter die ihr häßliches Kind für das schönste der Welt hält - ist blind." Schließlich verheddert er sich in einen Widerspruch zwischen der eingangs erwähnten Geräuschlosigkeit und der Einbruchsicherheit, wonach sich "kein Einbrecher an eine Rollthüre heran wagt, [...weil] er bei der kleinsten Berührung eines Rollbalkens einen solchen Lärm erzeugt, daß er sofort verrathen wird." 1888_04_21_Robicsek_Neue Warte am Inn_Seite 6_02

Robicsek bleibt auch nach dem Finale furioso standhaft, in welchem die "renomirteste Fabrik" allen Interessenten nahegelegt wird. Wir erfahren noch 1860 als Gründungsjahr und dass er "jährlich tausende solcher Thüren nach allen Weltgegenden" versendet. Eine Werbeeinschaltung findet sich weder vor noch nach dieser Lobeshymne, sodass der Verdacht aufkeimt, dass es sich um ein gekauftes, als redaktioneller Text getarntes, Advertorial handelt, eine Werbeform, die damals schon nicht mehr ganz neu war, heutzutage aber als Werbung gekennzeichnet werden muss. Für echte, erkennbare Werbung hat Robicsek im Laufe seiner Geschäftstätigkeit kaum Geld ausgegeben.

Sein großes Herz beweist er dafür Anfang des Jahres 1889, als er einer "alten und kränklichen Frau", die nach einer "mit seltener Rücksichtslosigkeit durchgeführten Delogirung" auf der Straße stand, "Unterkunft in seinen Geschäfts-Localitäten gewährte." 1889_01_08_Robicsek_Unterkunft_Neue Freie Presse_Seite 6

Am 1. Mai ist zu erfahren, dass sich die "Firma Leop. Robicsek & Herzog [...] in Liquidation befindet", Leopold Robicsek wird als "alleiniger Liquidator" geführt. 1889_05_01_Robicsek_Herzog_Liquidation_Wiener Zeitung_Seite 17

"Zur Gründung und Erhaltung von Wärmestuben in Wien" steuerte Robicsek in der Vorweihnachtszeit noch "eine Fuhr Holzabfälle nach Bestellung" bei 1889_12_15_Robicsek_Wärmestuben_Neue Freie PResse_Seite 4, und am selben Tag erscheint in der humoristisch-satirischen Wochenzeitschrift Die Bombe eine selten schöne ganzseitige Werbeeinschaltung. 1889_12_15_Robicsek_Werbung_Die Bombe_Seite 6



Interessante Wette vor dem Criminal

Unter dieser Überschrift wird Mitte Februar 1890 zeit- und wortgleich im Badener Bezirksblatt und der Südsteirischen Post, zwei Wochen später in der Bukowinaer Rundschau eine amüsante Begebenheit geschildert, die so auch von Herrn Robicsek erfunden worden sein könnte. Auf jeden Fall wurden sein Name und die Tätigkeit weit gestreut. Entgegen den Usancen der damaligen Zeit bleiben Ort und Personen der Handlung anonym. Robicsek trifft "einen seiner Concurrenten B. K." in einem Restaurant. Im Gespräch behauptet dieser, dass seine Rollbalken genauso geräuschlos seien, wie die seines berühmteren Kollegen. Schnell einigt man sich auf eine Wette über 20 Flaschen Champagner und zieht den zehnjährigen Sohn des Wirtes als Wettrichter hinzu. Schriftlich wird ihm seine Aufgabe kundgetan und ebenso soll er auch sein Ergebnis verkünden, ohne ein Wort zu sprechen. Der Versuch geht überraschenderweise "zum Vortheile des B." aus und Robicsek "sendete als Cavalier doch noch am selben Tage 20 Flaschen Champagner an B." Am nächsten Tag trifft Robicsek den Knaben wieder im Gasthaus an und beim Versuch, ein Gespräch mit ihm zu führen, "stellt sich heraus, dass der Knabe an hochgradiger Taubheit leidet," wovon B. Kenntnis hatte. Gleich Tags darauf erstattet er "die criminelle Anzeige" und fordert "die für den Champagner gezahlten fl. 100 zurück." 5 fl. für eine Flasche Champagner wären heute gut 80 Euro, beim Wettinhalt dürfte es sich also um das französische Original gehandelt haben und nicht um steirischen oder ungarischen Champagner, der damals auch stark beworben wurde. Robicsek bekam Recht, "theilte die fl. 100 in zwei Theile und gab sie den Familien zweier arbeitsunfähig gewordender Schlosser." 1890_02_15_Robicsek_Wette_SüdsteirischePost_Seite 5_01

Diese "Publicity" war ihm dann 15 Monate später tatsächlich eine weitere echte Werbeeinschaltung wert. Hier weist er auch wieder auf die vom Magistrat geprüfte Geräuschlosigkeit hin. 1891_05_17_Werbung_robicsek_Neue Freie Presse_Seite 16 Im September heiratet er Elise Rosenthal; von ihr führt derzeit kein Weg zu den anderen Rosenthals.


Noblesse n'oblige pas


Der Adel scheint nicht so zuverlässig zu sein, wie er lt. Sprichwort "verpflichtet" ist, diese Erfahrung musste Robicsek mehrere Male machen und wir dürfen an diesen Pretiosen der österreichischen Amtssprache auch heute noch teilhaben. Die Wiener Zeitung erinnert "dem Dr. Bela von Szotyory" an einen unbezahlten "Primawechsel". Die 1050 fl. Ö. W. wären aktuell knapp 18.000 Euro. 1892_09_06_Robicsek_Wechsel_Wiener ZEitung_Seite 24

Genau ein Monat später erinnert Die Presse "dem Herrn Adolph Baron Blome" aus Dresden an einen unbezahlten Wechsel in Höhe von 5.000 fl., hier reden wir schon von über 80.000 Euro. 1892_10_06_Robicsek_Unbezahlter Wechsel_Presse_Seite 16

Dann hat  er längere Zeit entweder mehr Glück oder er verzichtet auf Geschäfte mit den Blaublütigen. Erst Oktober 1911 muss eine Gräfin Anna Hügel via Wiener Zeitung an ihre Verpflichtungen erinnert werden, diesmal geht es "nur" um 1.700 Kronen, etwas über 11.000 Euro. 1911_10_28_Robicsek_Wechsel_Wiener Zeitung_Seite 40


"Zur Strikebewegung" in Wien


Im Mai 1892 brennt es "im Magazin der mechanischen Weberei von Joseph Packpfeiffer" in der Treustraße 6 und 8, in der damals noch zur Leopoldstadt gehörigen Brigittenau. Im Jahr darauf ist auch Robicsek dort ansässig. Zum "Strike der Appretur-Arbeiterinnen" und Zimmerleute hätten sich lt. Zeitungsbericht der Neuen Freien Presse auch 26 Arbeiterinnen der "Robicsek'schen Rollfabrik in der Brigittenau, Treustraße 6, dem Ausstande angeschlossen."

1893_05_08_Robicsek_Strike der Arbeiterinnen_NeueFreiePresse_Seite 2 Diesem Vorwurf widerspricht Robicsek zwei Tage später, "daß in seiner Fabrik kein Strike der Arbeiterinnen stattfand, da er gar keine Arbeiterinnen beschäftigt. 1893_05_10_Robicsek_Strike_NeueFreiePresse_Seite 21 Hier wird es sich womöglich wieder einmal um eine Verwechslung gehandelt haben, die ihm trotzdem zu einem medialen Auftritt verholfen hat.

Dann ist es eine Zeitlang ruhig um den Fabrikanten aus Wien, der den Sommer 1895 mit seiner "Gemalin" in Bad Aussee verbringt. 1895_08_26_Robicsek_Mit Gemalin in Bad Aussee_Cur- und Fremdenliste Aussee_Seite 2

Ende Mai 1896 erscheint eine ausgesprochen kryptische Meldung in der Arbeiterzeitung. Dort gibt es einen "Briefkasten der Redaktion" und in dem tummeln sich ohne nähere Angaben von Gründen Johann Anderle, E. S. Rosenthals Erben sowie Leopold Robicsek. Interessant ist immerhin seine Adresse in "Wien, XVIII, Hauptstraße Nr. 51" 1896_05_30_Robicsek_Anderle_Rosenthal_Briefkasten der Redaktion_Arbeiterzeitung_Seite 7

Die nächsten Jahre widmen sich Robicsek & Herzog wieder vermehrt dem Realitätenverkehr und sie lassen sich auch nicht davon stören, dass im März 1899 "die Firma: Leop. Robicsek & Herzog in Liquidation über Beendigung der Liquidation gelöscht wurde." 1899_03_22_robicsek & Herzog_über Beendigung der Liquidation gelöscht_Wiener Zeitung_Seite 27 Die Ausgabe von "Lehmann's Allgemeinem Wohnungs-Anzeiger" des Jahres 1900 weist "Robicsek in IX. Lackirergasse 6 als Inhaber der Fabrik für Portale in XVIII. Währingerstraße 125 aus."

In der Nacht vom 18. auf den 19. März 1903 bricht ein Großband in Ottakring aus. In der Tagesausgabe des Neuen Wiener Tagblatts ist anfangs von einem Brand "nächst dem Rosenhügel" die Rede. Schnell war klar, dass das Feuer  "in dem ausgedehnten Etablissement der Rollbalkenfabrik des Leopold Robicsek" wütete und dort bedeutenden Schaden anrichtete. 1903_03_19_Robicsek_Fabriksbrand_Neues Wiener Tagblatt_Tagesausgabe_Seite 6 In der Abendausgabe wird ausführlicher darüber berichtet, Brandort ist diesmal die Maschinen- und Metallwarenfabrik von Richard Herz in Ottakring, Albrechtskreithgasse Nr. 15". Diesem Bericht zufolge teilten sich Herz und Robicsek das Fabriksgebäude, für das Robicsek als Besitzer genannt wird. Er beziffert seinen Schaden mit 60.000 Kronen, Herz mit 40.000 (ca. 500.00 bzw. 340.000 Euro). Für die Tagesausgabe vom 20. März lässt Herr Robicsek, diesmal "16. Bezirk, Redtenbachergasse Nr. 59", ausrichten: "bei dem großen Schadenfeuer, welchem in der verflossenen Nacht die Fabriksräume meiner Mietpartei [...] zum Opfer fielen, blieben meine Werkstätten glücklicherweise verschont, so daß mein Betrieb keine Störung erleidet." Bei den beiden Adressen handelt es sich auch heute noch um ein Eckhaus.

Anfang des Jahres 1905 wird die Löschung des Inhabers "Leopold Robicsek infolge Geschäftsveräusserung" gemeldet, neuer Inhaber ist Jakob Liebermann, der die Firma zunächst als "Leop. Robicseks Nachfolger", später, wenn auch nicht lange, unter eigenem Namen führt. 1905_01_27_Robicsek_Geschäftsveräusserung_Bautechniker_Seite 16

Am 1. Juni 1909 wird die Neuanmeldung von "Robicsek & Co, [...] Wien, XII., Schönbrunnerstraße 254" bekannt gegeben. 1909_06_01_Robicsek & Co. Neuanmeldung Schönbrunnerstraße 254_Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst_Seite 18 und Ende Februar 1910 wird Ignaz Robicsek als Alleininhaber genannt. 1910_02_25_Robicsek_Austritt Ernst Fried_Bautechniker_Seite 18

Im August 1912 erfahren wird, dass "Tüchtige Tischlergehilfen für weiche Arbeiten" sofort aufgenommen werden, Standort der Portalfabrik ist jetzt die Geblergasse 66 im 17. Bezirk. 1912_08_18_Robicsek u. Co_Tischlergehilfe für weiche Arbeiten_Neues Wiener Tagblatt_Seite 86

Im Oktober 1915 ist eine "Aeltere grössere Fabrik der Eisenbranche in Budapest [...] wegen Familienverhältnisse unter günstigen Bedingungen zu verkaufen." 1915_10_10_Beifang_Dukes Firma für alles_Neue Freie Presse_Seite 30

Mitte Juni 1922 erfahren wir, dass "Ignaz Robicsek [...] sich mit Fräulein Martha Zellenka aus Prag verlobt hat." In der nächsten Zeile hat sich hingegen ein Fräulein [...] mit dem Direktor der Allgemeinen Verkehrsbank" verlobt.

1922_06_15_Ignaz Robicseks Verlobung_NeuesWienerTagblatt_Seite 6 In den 20er-Jahren war der Bubikopf en vogue, die Frauen begannen Hosen zu tragen, rauchten ihre Zigaretten verführerisch an endlos langen Zigarettenspitzen, gingen arbeiten und trieben die Emanzipation voran. Vielleicht hat dieses "Fräulein" tatsächlich um die Hand ihres Traummannes angehalten, wir werden es wohl nie erfahren.

Gegen Ende des Jahres 1925 werden ein "Geschäftslokal [...] auf einer lebhaften Hauptstraße des 9. Bezirkes" und eine "Komplette Drehtür für Kaffeehaus od. Restauration" zum Verkauf angeboten. 1925_11_15_Robicsek u. Comp._Geschäftslokal in IX zu verkaufen_Neues Wiener Tagblatt_Seite 50

Im September 1926 erfahren wir vom Tod des Ignaz Robicsek und dass die "Firma bis auf weiteres von der erblasserischen Witwe Johanna Robicsek vertreten wird." 1926_09_11_Robicsek Ignaz_Wiener Zeitung_Seite 14 Das mit dem Fräulein aus Prag war womöglich nur eine kurze Liaison. Zwei Monate später wird an Leopold Robicsek die Prokura erteilt,

1926_11_21_Robicsek_Prokura_Wiener Zeitung_Seite 14 das wird wohl der Enkel des "gewesenen" Firmengründers sein. Im Mai 1933 wird das Ausgleichsverfahren eröffnet. Den Aktiven von 107.000 S (468.000 Euro) stehen 229.000 S (1 Mio) an Passiven gegenüber. "Anbot 35 Prozent in sechs Monatsraten." 1933_05_16_Robicsek Ignaz_Verstorben Insolvenz_Illustrierte Kronen Zeitung_Seite 11 Mitte August 1934 wird das "Konkursverfahren [...] über Verfügung des Oberlandesgerichtes aufgehoben."

1934_08_15_Robicsek u. Co_Aufhenung des Konkursverfahrens Ignaz_Neues Wiener Tagblatt_Seite 14, die "amtswegige Löschung" im Februar 1938 "in Aussicht genommen." 1938_02_21_Robicsek u. Co_amtswegige Löschung_Neues Wiener Tagblatt_Seite 16

Das war's dann mit dem durchaus illustren Herrn Robicsek, der mit seinen raren Hinterlassenschaften immer für gute Stimmung eingedenk seiner Geschichte sorgt.


Die Geschichte von Jakob Liebermann hingegen ist schnell erzählt. Funde seines Schaffens sind äußerst rar, bzw. schon weitestgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Seine Neuanmeldung im Baugewerbe wird Anfang des Jahres 1905 gemeldet, einmal in der Redtenbachergasse 59 nur mit seinem Namen 1905_01_01_Liebermann_Anmeldung im Baugewerbe_Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst_Seite 18, das andere Mal in der Albrechtskreitgasse 15 als "Leop. Robicsek's Nachfolger" und Jacob mit "C". 1905_01_01_Liebermann_Robicsek_Protokollierung_Der Bautechniker_Seite 960

Ende Januar 1913 werden die "altrenommierten Firmen Jakob Liebermann [...] und Julius Rosenthal" im Zusammenhang mit der Eröffnung der Tuchlaubenpassage erwähnt: "das alte Durchhaus von der Seitzergasse zur Tuchlauben hat einem neuen modernen Zweckbau Platz gemacht", heißt es hier. Wie wird wohl in 100 Jahren von den heute modernen Zweckbauten berichtet werden?

Zwei Monate später erscheint die einzige auffindbare Werbeeinschaltung des Betriebes. 1913_03_23_Liebermann_Werbung_Neues Wiener Tagblatt_Seite 199

und damit endet auch schon dessen Historie, sieht man von einem Skidiebsthal durch einen Liebhaber ab, der mit unserem Liebermann sehr wahrscheinlich nichts zu tun hat, aber es wäre schade, müsste diese Kurznotiz bis ans Ende aller Tage im Dunkel der Nationalbibliothek ihr Dasein fristen.




1914_02_12_Liebermann_Skier von Liebhaber gestohlen_Grazer Volksblatt_Seite 15