Wejmelka

Wie alles begann

Als ob es gestern gewesen wäre...

Nein, so ist es auch wieder nicht. Würde man mich fragen, was ich am 28. Juni 2015 getan habe oder wo ich gewesen bin - ich müsste passen. Erst der Blick in mein Archiv lässt die Zeit wiederauferstehen. Ein Sonntag, sonnig, wie das Bild zeigt, 11:39, wie die Dateidaten zeigen. Nicht nur das Schuljahr unseres "Kleinen" war vorbei, mit seiner Matura war die Schule für uns alle gegesssen - wir waren FREI! Und diese frisch gewonnene Freiheit nutzte ich für eine Fototour durch Wien, abseits der üblichen Pfade wollte ich mich bewegen, "meine" Stadt mit neuen Augen sehen und dann das...

Gar nicht weit weg von daheim entdeckte ich dieses Fossil, und diese Plakette oder Platte hat es mir vom ersten Moment angetan - verschnörkelt, alt, überladen in puncto Form und Farbe, kaum etwas zu erkennen, kurz - eine Herausforderung.

Der Nachname als WEYMELKA eindeutig identifizierbar, ANT. sollte wohl Anton heißen, obwohl, erst kürzlich musste ich erkennen, dass sich hinter einem einsamen und einfachen "M." auch ein Methodius verstecken kann. Warum sollte also jemand sein Kind nicht Antäus genannt haben? Das griechische "I" würde schon in diese Richtung deuten, aber bleiben wir bodenständig.


Zuhause am Computer gebe ich also WEYMELKA als Suchbegriff ein, nur um gefragt zu werden, ob ich nicht womöglich WEJMELKA meinte, was die Trefferquote keineswegs erhöhte. Heute, fünf Jahre später, würde ich schon auf meine eigene Seite verwiesen und es sind auch gar nicht so wenige Träger dieses Familiennamens aufgetaucht. Sollte mir der Stoff ausgehen, dann kann ich in diese Richtung weiterforschen.


Der Anfang hätte sich aber auch viel einfacher gestalten können, wie an dem nächsten Exemplar zu sehen ist:


ANT. WEYMELKA

WIEN XII.

ROTHE MÜHL-GASSE N° 49


Fast sechs Wochen sollten ins Land ziehen, bis ich diesen immer geschlossenen Rollbalken (oder ist es bei einem Fenster doch eher ein Rollladen?) in der Hirschvogelgasse eines genaueren Blickes würdigte. Und siehe da - aus dem "fremden I" wurde ein "Je", wie es hierzulande heißt. Dass ich an diesem Schmuckstück in den letzten 20 Jahren sicher tausende Male vorbeigekommen bin, minderte die Freude an diesem neuen Fund keineswegs. Seither versuche ich mein Motto zu leben: "Das Nahe finden, nicht das Weite suchen!"

Spannend wurde es dann vor einigen Wochen, denn da kam plötzlich Leben in das Ecklokal. Schnell kam ich mit dem Chef der Partie überein, dass er mir das untere Stück des Rollbalkens aufheben würde. Ich habe dann fast jeden Tag vorbeigeschaut, nach etwa drei Wochen traf ich ihn endlich wieder in einer Wolke aus Mörtelstaub und Presslufthammerlärm, durch den er mir verkündete, dass er mein Anliegen leider vergessen hätte. Da ich gleich ums Eck wohne, hadere ich immer noch vor allem mit dem Verlust der Platte. Die runden Schlossabdeckungen haben wir inzwischen bei einer Rettungsaktion in 1060 Wien sichergestellt.




Die Haupt-Str. 22 in Wien XII konnte ich hier schon als Adresse entnehmen, so hieß vor 1905 die Meidlinger Hauptstraße.


Die Schlösser links und rechts sind rund eingefasst und mit "A. Wejmelka Wien XII" beschriftet. Diese Rundlinge sind öfter anzutreffen.


Ein gut erhaltenes Stück aus 1070 Wien, Wimbergergasse 32 mit einem Rätsel in rund.


Und hier noch ein hübscher Rundling in blau aus 1170 Wien, Wurlitzergasse 88.


30. August 2015

1090 Wien, Wiesengasse 27


Dieses farblich abgespeckte Exemplar ist der Beweis, dass ich mit meiner eingangs geäußerten Vermutung recht hatte - es ist ein "Y"! Als Anschrift lässt sich hier wieder Wien XII ausmachen, diesmal erweitert um die "Rothe Mühlgasse N° 49" - die heißt heute Rotenmühlgasse und es würde mich sehr interessieren, wann die Umbenennung erfolgt ist.


26. Oktober 2015

1180 Wien, Gentzgasse 81


Ein gänzlich anderes Modell, Adresse auch Rothe Mühlgasse, sonst kein Zugewinn.


14. November 2015

1120 Wien, Rotenmühlgasse 46, gegenüber auf Hausnummer 49, dem ehemaligen Firmensitz, steht heute ein großes Wohnhaus. Ich habe mich sehr gefreut, dass im Grätzel seines früheren Schaffens die Rollbalken und Schlösser von Wejmelka noch anzutreffen sind. Bei genauerer Betrachtung musste ich allerdings feststellen, dass ich noch ein paar Häuser weiter hätte schauen sollen, denn hier ist die Nr. 63 als Firmensitz angegeben.


Hier in 1120 Wien, Tivoligasse 44 ist ein ähnliches Schloss mit anderer Nummer zu sehen.


Und die Gaststätte der Familie Scherz erfreut außer mit Wiener Spezialitäten auch mit einem fast poliert wirkenden Schloss womöglich älteren Datums. Die dreistellige Telefonnummer mit einem Buchstaben für das Wählamt voran deutet darauf hin.

Coming soon