Unbekannt


Die Beschäftigung mit den Rollbalken ist ein einziges Suchen, Forschen, Interpretieren, Verwerfen, Resignieren - das macht ja auch den Reiz aus. Konnte bei den bisher vorgestellten über 70 Exemplaren wenigstens ein Name oder ein Kürzel erkannt werden, so gibt es noch eine gar nicht so kleine Gruppe, die sich dem direkten Erkennen bisher weitestgehend verweigert hat


Bei einem Teil, den UNBEKANNTEN, werden wir nie erfahren, wer dahintersteckt. Das sind quasi Blanko-Visitenkarten, angebracht aus Ersparnis- oder Zeitgründen. Es gibt sie in rechteckig, rautenförmig (einmal), rund, fassförmig, auch mit den Tortenstückchen oder spitzen Dreiecken um das Schlüsselloch. Die verschnörkelten sind blanko recht selten. Immer häufiger dagegen sieht man die roten Kunststoffabdeckungen. Die werden aufgeschraubt, wenn ein Rollbalken noch in Betrieb ist oder weiter den Eindruck eines Verschlusses wecken soll. Sie können praktisch von nahezu jedem handwerklich geschickten Menschen angebracht werden. Von diesen wissen wir wenigstens, woher sie kommen, nämlich aus der Schneekugelfabrik von Erwin Perzy III & Sabine Perzy II.

Manchmal treffen wir auch auf Werke "freischaffender Künstler", die wahrscheinlich in schneller Heimarbeit entstanden sind, damit irgendetwas das Schlüsselloch verdeckt.



Beim anderen Teil, ich nenne sie die ANONYMEN, ist zwar etwas zu erkennen, wir wissen aber nur in Einzelfällen, zu welchem Betrieb sie gehören.

Der wahrscheinlich bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der Elefant der Firma Woltär. Zu diesen gegenständlich verzierten Exemplaren zählen weiters Darstellungen von Löwen (der gehört lt. Anton Beran III zu Zöchling, aber zu welchem?), Adlern und Chimären. Letztere sind Mischwesen, die ihren Namen aus der griechischen Mythologie erhalten haben; die bekannteste aus dieser Zeit dürfte die Hydra sein. Die Ägypter hatten u. a. ihre Sphinx, die Idee dieser Wesen reicht aber bis in die Steinzeit zurück. Jüngere Menschen kennen sie aus Fantasyfilmen oder Computerspielen wie etwa Dragon's Dogma. Das abgebildete Einzelstück, das Peter in die Sammlung eingebracht hat, zeigt zwei einander gegenüber hockende Tiger mit mächtigen Schwingen. Gemeinsam halten sie einen Ring oder einen Spiegel, in dem eine Schlange sein könnte oder auch ein verschnörkeltes "G".


Die einfach zu bezeichnenden Anonymen tragen Sterne, Dippel, Zahnräder, zu letzteren haben sich Beran III und IV bekannt. Sie wollten eigentlich einen Widder (die deutsche Übersetzung ihres tschechischen Familiennamens), der sah aber dem Löwen zu ähnlich und so haben sie es bleiben lassen. Die Zahnräder gibt es auch mit Delle, die schauen dann aus wie kleine Linzeraugen; von denen weiß ich nicht, ob sie eine Variante der Beran'schen Zahnräder sind oder eine eigene Schöpfung.

Schließlich gibt es noch einige mit hübschen floralen Verzierungen und bei anderen kann bzw. muss man seiner Phantasie freien Lauf lassen. Was auch immer sie darstellen mögen oder man darin sehen mag, sie sind alle Beispiele dafür mit wie viel Freude am Detail in früheren Zeiten auch Alltagsgegenstände bedacht wurden.


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