Schuberth Geschichte

Im Fremdenblatt vom 25. Februar 1862 steht eine kleine Notiz, dass die "Gemeinde Ottakring ein solennes Hochamt" veranstaltet, "um den Jahrestag des 26. Februar würdig zu begehen."

Ich weiß noch nicht, welcher Jahrestag hier genau gemeint ist. Am 18. Februar 1853 wurde das Attentat auf Kaiser Franz I. vereitelt, der Täter János Libényi am 26. durch den Strang hingerichtet.

 

Weiter heißt es:

 

"Am Abend des 26. Februar findet aber in den Bräuhauslokalitäten daselbst zum Besten der durch die Ueberschwemmung Verunglückten in der Rofranogasse, (heute Lerchenfelderstraße) Altlerchenfeld und Neustift ein Wohlthätigkeits-Festball statt, zu welchem die Herren Josef Grüllemeyer* und Johann Schubert im Hinblick auf den wohlthätigen Zweck alle Auslagen im Lokale, wie Musik, Regie und eine geschmackvolle Dekorirung besorgen, so daß die ganze Einnahme den Verunglückten zugeführt werden kann."

 

Diese Überschwemmung könnte die letzte des Ottakringerbachs im Jahr 1862 gewesen sein.

 

(* Das Bild der Firma Grüllemeyer wurde mir freundlicherweise vom Altbraumeister der Ottakringer Brauerei, Herrn Schurz, zur Verfügung gestellt.)

 

Die erste mir bekannte Erwähnung im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit findet sich am 15. Februar 1865, also kurz vor Eröffnung der Ringstraße durch Kaiser Franz Joseph, im "Amtsblatt zur Wiener Zeitung" Seite 19. Unter "Ausschließende Privilegien" steht zu lesen:

 

"Nachstehende Privilegien sind erloschen und wurden als solche vom k.k.-Privilegien-Archive im Monate December 1864 einregistrirt." Unter Nr. 31: "Das Privilegium des Johann Schuberth, vom 7. Juni 1863, auf die Erfindung einer Methode, doppelte Jalousiebänder mit Querlitzen ohne Naht zu erzeugen."

 

In den "Ischler Cur-Listen" ist am 14. August 1868 unter "Lokal-Veränderung" zu lesen:

 

"Die Niederlage der k. k. priv. Fabrik von Johann Schuberth in Wien, Grüllmaiergasse Nr. 413, befindet sich seit 1. Juni am Eck des Kärntnerringes, Akademiestrasse Nr. 7, in Wien..."

 

Am 12. Oktober 1869 berichtet die Wiener Zeitung: "Von den bei der Amsterdamer Ausstellung erschienenen 199 österreichisch-ungarischen Ausstellern sind folgende mit Auszeichnungen bedacht worden:" Eine Silbermedaille ging an "Johann Schuberth in Ottakring, für Rolljalousien und Holzrouleaux"

 

Wieder im "Amtsblatt zur Wiener Zeitung" steht am 21. Februar 1877 unter

 

"Firma-Protokollirungen"

 

"Die Löschung der Firma Johann Schuberth, Firmainhaber: Johann Schuberth, Holzrouleaux-, Jalousien- und Holzwaarenfabricant in Stein, über Geschäftsaufgebung."

 

Ebenda wird am 11. August 1878 vermeldet, dass "Johann Schuberth (...) wider Frau Irma Gräfin Széchenyi wegen restl. 135 fl. f. R. G. die Klage de praes. 10. September 1877, reassumirt" habe. Ich habe keine Ahnung, was "f. R. G." heißt, der Währungsrechner der OENB weist den Betrag mit knapp 1600 Euro aus.

 

Am 18. September 1893 verkündet die "Wiener Montags-Post": "Der Weg durch das Burgtor ist den Wienern wieder freigegeben; das 'innere Burgtor' ist am letzten Feiertag (8. September) eröffnet worden." An der Umsetzung der Pläne Fischer von Erlachs waren eine Vielzahl an Lieferanten und Arbeitern "betheiligt", darunter auch der "Jalousienfabrikant Johann Schuberth".

 

Zwischen den beiden letzten Erwähnungen verstreichen 15 Jahre. Ziemlich genau dazwischen liegt die Eröffnung des Dampfbades am 30. Oktober 1884, was aber anscheinend keine eigene Meldung wert war.

 

Am 19. Juli 1894 berichtet die "Wiener Zeitung" über die "Fortsetzung des Referates über die Umbenennung der gleichlautenden Gassennamen in den 19 Bezirken Wiens" durch Vicebürgermeister Matzenauer, wodurch die Schubertgasse zur Dampfbadgasse wird.

 

Am 23. März 1895 erscheint ebenda, dass Mathilde und Johann Schuberth als offene Gesellschafter seit 15. Februar 1895 im Register für Gesellschaftsfirmen eingetragen sind.

 

Die "Arbeiterzeitung" bringt am 26. Mai 1895 folgende Werbeeinschaltung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das in der Einschaltung erwähnte Brauhaus war das "Kuffner'sche Bräuhaus", die heutige Ottakringer Brauerei. Die Dampfbadgasse, wie auch die oben genannte Grüllmaiergasse (heute Grüllemeiergasse) sind nach Erweiterung des Brauereigeländes nur noch in Ansätzen erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hierzu passt eine Meldung vom 13. Dezember 1896 im "Neuen Wiener Journal" wonach es im "Ottakringer Bräuhause" gebrannt habe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem die "herbeigeeilten" Feuerwehren den Brand "calisiert oder califirt" hatten, was wohl gelöscht heißen soll, wurde festgestellt, dass nur ein im Hofe der Dampfmühlgasse befindliches Magazin in Brand geraten war.

 

Im "Neuigkeitsweltblatt" vom 21. August 1898 bewirbt Schuberth seine "Luftverschliessungs-Cylinder für Fenster und Thüren". Aus der Beschreibung wird klar, dass sie "den feinsten Luftzug verhindern", ich habe trotzdem keine Ahnung wie diese Dinge ausgesehen haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Jahren 1900 bis 1905 erscheinen Werbeeinschaltungen in diversen Zeitschriften:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die "Wiener Zeitung" erinnert am 24. Mai 1907 daran, dass "Wider Herrn Julius Rado (...) von Herrn Johann Schuberth (...) wegen 500 K c. s. c. eine Klage angebracht" wurde. Und ich habe keine Ahnung, was "c. s. c." in diesem Zusammenhang bedeuten mag.

 

Im Jubeljahr 1908 wurden anlässlich des 60-Jahre-Jubiläums des Regierungsantritts Franz Josefs I. im "Neuen Wiener Tagblatt" "Hervorragende Industrielle, Handels- und Gewerbetreibende" aufgelistet, die "mit dem Hof-, resp. Kammertitel ausgezeichnet wurden", darunter auch Johann Schuberth.

 

Dann wird es lt. meinen Recherchen still um diesen Betrieb, 1913 scheint der Firmengründer verstorben zu sein und mit Ausbruch des ersten Weltkriegs ist nur noch von Insolvenzen zu lesen.

 

Anfang 1918 erscheint nochmals eine kleine Werbeeinschaltung in der "Neuen Freien Presse", und ebenda wird am 31. 12 1918 berichtet, dass "ein Entwurf zur Verteilung einer 64prozentigen Abschlagsquote dem Handelsgericht vorgelegt" wurde.

 

Damit enden zum jetzigen Zeitpunkt (9. Dezember 2015) meine Informationen über diesen Betrieb.