Rosenthals Erben Geschichte

Nach Eingabe von "Rosenthal's Erben" listet "ANNO, die Volltextsuche in Zeitungen und Zeitschriften", im Zeitraum von 1840 bis 1925 insgesamt 305 Fundstücke auf.

 

Der älteste Treffer stammt aus der "Presse" vom 5. Dezember 1840. Unter "Convocationen" wird berichtet, dass "der diesseitige [?] Hr. k.k. Unterlieutenant Eduard Taulow Ritter v. Rosenthal am 14. Sept. l. J. ohne Hinterlassung einer letztwilligen Anordnung zu Neusandec in Galizien verstorben sey." Gesucht werden allerdings "Ritter v. Rosenthal's Erben und Gläubiger". Bis ich eines besseren belehrt werde, scheint mir diese Fährte doch eher ein Irrweg zu sein, allerdings frage ich mich, warum der Verstorbene als "diesseitiger Herr" bezeichnet wurde.

 

Wenig erhellend ist auch der nächste Fund in der "Presse" vom 11. August 1861. Unter dem Titel "Die Stadterweiterung Wiens" ist nach den Bauten von einem Park die Rede, "der die Strecke des Glacis von der Mondscheinbrücke bis zur Stubenthorbrücke in ein grünes Eden verwandeln soll. Man weiß, daß dem Gemeinderathe drei Projecte für diesen Park vorliegen: von den Herren Dr. Siebeck, Abel und Hengel (Rosenthal's Erben)"

 

Seltsam wirkt untiges Verzeichnis in der "Wiener Zeitung" vom 31. Dezember 1865. Rosenthal's Erben scheinen hier mit einer Gabe von fl. 1,20 Ö.W. auf (heute knapp 15 Euro lt. Währungsrechner). Die Alternative zur "Enthebung durch Geldbeträge" wäre eine Entsendung von "Gewinnst-Gegenständen zur Armen-Lotterie" gewesen.

"v. Rosenthal's Erben exponirten ein ganzes Wäldchen fruchttragender Zwerg-Obstbäumchen," heißt es in der "Neuen Freien Presse" am 23. Mai 1866 über die "Blumen-, Obst- und Gemüseausstellung" in Tetschen. Da könnte ein Zusammenhang zu den Wiener Parkplanern bestehen, das "von" auf den "diesseitigen" Herrn verweisen.

 

1874, ein Jahr nach der Wiener Weltausstellung, werden in der "Neuen Freien Presse" vom 3. September "Selbstrollende Stahl-, Eisen- u. Holz-Verschlussladen [...] aus der Fabrik von Clark & Comp., Rathbone Place, London" beworben. E. S. Rosenthal [ohne Erben] ist Repräsentant für Clark & Comp mit Sitz in der Kärntnerstraße 8. "Clark & Comp." sind seit mindestens 1859 im Geschäft und bezeichnen sich als

"Original Inventors And Patentees Of Revolving Shutters".

 

Eine fast schon humoristische Erwähnung stammt aus dem Prager Tagblatt vom 24. Januar 1879. Darin warnt die Firma "Clark & Comp." vor der qualitativ minderwertigen Konkurrenz. "E. S. Rosenthal" [immer noch ohne Erben] ist weiterhin "Generalrepräs. in Wien". Die Konkurrenz ist "H. J. Anderle", Schlossermeister in Wien V., mit dem sich Rosenthal's Erben die nächsten Jahre medial ausgetragene Scharmützel, von den Kontrahenten "Zeitungspolemik" genannt, liefern werden.

 

Redaktionell aufbereitet findet sich im "Bautechniker" vom 23. März 1883 ein Bericht, wonach lt. "Handels-Ministerialerlass" die Firma E.S. Rosenthal's Erben vorm. Clark & Comp. als "Erfinder der Rollbalken (...) allein berechtigt ist, geräuschlose Rollbalken zu erzeugen."

Auf der pflichtschuldigst nachgereichten Werbeeinschaltung zu dieser Lobeshymne kann man mit etwas Phantasie die schmalen Plaketten am unteren Rand der Rollbalken erkennen, die auf der vorherigen Seite erwähnt wurden.

Firmensitz war hier Wien VIII., Zeltgasse 7 mit Niederlage in Wien I., Graben 31

Am 3. Juni des Jahres berichtet die "Wiener Zeitung" über die Eintragung im Register für Gesellschaftsfirmen. Zu den hier genannten Joseph, Charles Max und Ida Rosenthal gibt es zarte Spuren im WWW, denen ich noch genauer nachgehen muss. Sicher zu sein scheint, dass diese Ida Rosenthal nicht die Mitbegründerin der Firma Maidenform war.

In der "Wiener Sonn- und Montagszeitung" vom 22. Juli des Jahres bewerben die Erben bezugnehmend auf den "Erlaß des Handelsministeriums" ihre "geräuschlosen Rollbalken".

In einer umfangreichen Erklärung in der "Neuen Freien Presse" desselben Tages "erlaubt sich der Gefertigte [CH. M. Rosenthal] dahin richtigzustellen, daß dem Herrn Alex Clark vom 5. Mai 1873 ein Privilegium für dessen Erfindung geräuschloser Rollbalken ertheilt wurde, welches Privilegium im April d. J. in meinen Besitz übergegangen ist." Herr Joh. Anderle habe das "patentirte System mittelst unwesentlicher Aenderung" umgangen, was in Folge zu einer Klage gegen Herrn Anderle führte, der schließlich des "Eingriffs in mein genanntes Privilegium schuldig erkannt wurde." Er wurde zu einer Geldstrafe von 25 fl. Oe. W. (heute gut 300 Euro) verurteilt und "zugleich die Beschlagnahme des einzigen am 11. Juli 1883 vorgefundenen Musterbalkens vollzogen."

Nachstehende Meldung bringt die "Presse" am 11. September 1883.

Das Naturhistorische Museum wurde am 10. August 1889 eröffnet, das Kunsthistorische zwei Jahre später am 17. Oktober 1891.

Am 8. September und 24. Oktober 1884 erscheinen wieder in der "Sonn- und Montagszeitung" sowie dem "Bautechniker" zwei auf weite Strecken gleich lautende Anzeigen. Während aus der einen zu erfahren ist, dass

 

"Herr Johann Anderle wegen Eingriffs in unser Patent erst neuerdings wieder abgestraft und demselben ein Rollbalken confiscirt" wurde, [damit wurde die Geschichte vom Vorjahr noch einmal aufgewärmt] ist in der anderen nur von einer "Concurrenz-Firma" die Rede. Weiters erfährt man, dass das Geheimnis der geräuschlosen Rollbalken womöglich in den "mit starken Kuhleder-Riemen armirten Stahl-Roll-Verschlüssen" liegt.

 

Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung verlagert sich hier langsam vom geräuschlosen Rollbalken und deren alleinig berechtigter Herstellung hin zur Erörterung, wer den höher angebrachten Verschluss erfunden hat und ob dieser überhaupt gut ist für die Rollbalken.

 

Natürlich wird mit dem Status des, mittlerweile schon, Hofmuseenlieferanten geworben. Ich glaube, dass mir die Variante des "Lieferanten der kaiserl. königl. Hof-Museen" besser gefällt.

Die Erwiderung lässt nicht lange auf sich warten - in der "Neuen Freien Presse" vom 14. September 1884 wehrt sich Johann Anderle gegen die vorgebrachten Vorwürfe und bringt die interessante Information zutage, wonach "die Inhaber der Firma E. S. Rosenthal's Erben das Schlosserhandwerk nicht erlernt haben und deshalb auch nicht genügend Fachkenntnisse besitzen, um ein competentes Urtheil abgeben zu können."

"(...) wegen der sonstigen im Inserate der genannten Firma gegen mich vorgebrachten Injurien habe ich bei dem competenten Gerichte die Klage eingebracht."

Schon eine Woche später, am 21. September 1884, kommt die Entgegnung hierzu, natürlich wieder in der "Neuen Freien Presse". Ist die letzte Zeile obiger Einschaltung geradezu dezent gehalten, so wirft die Firma E. S. Rosenthal's Erben einen ehrfurchtgebietenden Vierzeiler ins Rennen und endet mit der Aufforderung, dass "eine von der öffentlichen Behörde bestelllte Commission (...) prüfen und entscheiden möge", welche der Rollbalken "den Vorzug verdienen". Der Einsatz soll 3000 fl. betragen, heute immerhin 36.998.49 EUR.

Das Jahr 1885 beginnt für Charles Max Rosenthal mit einer Privatklage wegen Ehrenbeleidigung. Es bringt aber auch ein "Privileg auf feuersichere Panzervorhänge für Theater", im "Bautechniker" vom 27. Februar wird diese Neuerung wohlwollend erwähnt.

Anderles "Offener Brief an die Firma E. S. Rosenthal's Erben!" erscheint am 23. April in der "Neuen Freien Presse". Seltsamerweise steht hier, dass er im Februar des Jahres "Charles Max Rosenthal (...) wegen Vergehens gegen die Sicherheit der Ehre (...) eingeklagt" habe. Im Verlauf des Schreibens berichtet er, dass er sich "des lieben Friedens wegen" zu einer außergerichtlichen Einigung bereit erklärt habe, nur um kurz danach feststellen zu müssen, dass nun zu einem anderen Mittel der Geschäftsschädigung gegriffen wurde: "Herr Rosenthal versucht nämlich, mir den besseren Theil meiner Leute, welche schon theilweise 20 Jahre in meiner Fabrik arbeiten, abwendig zu machen." Er schließt damit, wohl bezugnehmend auf Rosenthals Aufforderung, dass er bereit sei, "den Beweis für die Wahrheit aller vorangestellten Behauptungen vor Jedermann zu erbringen."

Die Replik vom 26. April 1885 endet mit der Ankündigung, dass "wir von nun ab auf keine seiner Enunciationen in den Zeitungen eine Antwort ertheilen werden." Damit dürfte die mediale Auseinandersetzung ihren Höhepunkt erreicht haben.

Am 15. August 1885 verweist eine kleine Notiz in der "Wiener Zeitung" auf die Erteilung eines Privilegs "auf einen neuartigen verstellbaren Rollverschluß für Thüren, Fenster etc.", worauf in der "Presse" vom 22. November 1885 sogleich Bezug genommen wird, nicht ohne auf die von der "Concurrenz ausgestreuten falschen Gerüchte" hinzuweisen.

Unter "Verschiedenes" ist im "Bautechniker" vom 27. November 1885 zu erfahren, dass der 30.000. Rollbalken erzeugt wurde. Da das Fest in der "Restauration des Gemeindehauses Fünfhaus" stattfindet, ist anzunehmen, dass die Firma inzwischen in den erst 1892 eingemeindeten 15. Bezirk gezogen war. Übers Jahr verteilt wird in kleinen Anzeigen nach Vertretern gesucht, so in der "Leitmeritzer Zeitung", der "Vorarlberger Landeszeitung" und in der "Neuen Warte am Inn".

1886 ist von der Firma bzw. deren Vertreter wenig zu lesen. Als Spender von fl. 5 (66.28 EUR) scheinen sie am 8. Mai 1886 in der "Presse" im "Comité zur Unterstützung mittelloser Studirender" auf, Gräfin Auersperg hat im Vergleich dazu nur fl. 3 locker gemacht.

Ein weiteres Privileg gibt es in der "Wiener Zeitung" vom 25. August zu vermelden und zwar "auf eine Signalvorrichtung an Rollbalkenverschlüssen, welche einen Einbruch selbstthätig anzeigt."

1887 ist das Jahr des Humors, der kleinen Anzeigen und beginnender Veränderungen.

 

Unter "Firma-Protokollirungen" berichtet die "Wiener Zeitung" gleich zu Beginn des Jahres, "daß sich der Sitz dieser Firma nunmehr in Fünfhaus befindet und am 29. April über die Einzahlung der "dritten Taxannuität". Ich nehme an, dass darunter die jährliche Abgabe für die Führung des "k. k. ausschl. Priv." gemeint war. Weiters wird darauf hingewiesen, dass "die Privilegiumsbeschreibung nunmehr von Jedermann im h. o. [hierortige] k. k. Privilegienarchive eingesehen werden kann."

 

Am selben Tag, und mehrmals bis Mitte des Jahres, werben die "Patent-Inhaber und Fabrikanten" im Bautechniker für "Rauch- und Ventilations - Apparate". Ein Herr Magnus Jensen hat dafür "drei Viertheile" seines Privilegiums an die Firma E. S. Rosenthal's Erben übertragen. An dem Inserat fällt die kleine Schriftgröße der "Fabrik geräuschloser Rollbalken" auf und dass nicht mehr mit dem "Lieferanten der kaiserl. königl. Hofmuseen" geworben wird. Anscheinend haben sie im Gerangel mit Johann Anderle den Kürzeren gezogen und verlegen sich jetzt auf alternative Geschäftsmodelle.

In der humoristisch-satirischen Wochenzeitschrift "Die Bombe", im "Kikeriki" und den "Wiener Caricaturen" werden übers Jahr verteilt winzig kleine (30 x 25 mm) Anzeigen geschaltet.

 

Eingezwängt zwischen Werbung für "Original Pariser Gummi- und Fischblasen", gegen Haarausfall und Bandwürmer, für Bartwuchs und Manneskraft, geben sie sich eine Zeit lang ganz bescheiden. Ein Umstand, den Johann Anderle in der "Neuen Freien Presse" vom 21. Juli 1887 für einen letzten Seitenhieb nutzt. Von nun an scheinen die beiden Kontrahenten eigene Wege zu gehen.

Dass es immer noch kleiner geht, beweist dieser "Beifang" in der "Bombe" vom 18. September 1887. Ich würde zu gerne wissen, wie viele Leser diesem Inserat auf den Leim gegangen sind.

1888 ist es lt. meinen Recherchen sehr ruhig. Am 16. Februar 1888 wird in der "Neuen Freien Presse" kundgetan, dass das "Collectiv-Vertretungsrecht" gelöscht wurde und nun das alleinige Vertretungsrecht Josef Rosenthal zusteht. Die "Österreichische Verbands-Feuerwehr-Zeitung" schreibt in einem Bericht vom 20. September 1888 über den großen Brand in Mistek am 10. August des Vorjahres, bei dem auch das Löschgerätehaus vernichtet wurde, dass im Neubau "statt der Thore eiserne Rollbalken von der Firma Rosenthal's Erben in Wien genommen wurden."

 

Weiters werden wieder diverse Taxannuitäten gelistet und in der "Marburger Zeitung" sowie in der "Neuen Freien Presse" Vertreter gesucht.

 

Zu Beginn des Jahres 1889 wird Joseph Rosenthal ein ausschließendes Privilegium auf ein "neuartiges Rouleau" erteilt und im "(Neuigkeits) Welt Blatt" vom 25. April erscheint eine neu gestaltete, wieder umfangreichere Anzeige. Beworben werden neben den "auf das vortheilhafteste bekannten geräuschlosen Stahl-, Eisen- und Holzrollbalken" auch Sonnenplachen, Sonnenblenden, Rollwände, Gartenzelte und Lusthäuser, "Waaren-, Garderobe- und Bücherschränke mit Rollthüren" und zu guter Letzt natürlich die neuartigen "Schornstein-Aufsätze". Vertreter werden weiterhin gesucht. Als Standorte sind angegeben, "Wien, Fünfhaus, Rosinagasse 21 und Glückgasse 2". Nach letzterer muss noch ein wenig geforscht werden.

Im Jahr 1890 schreitet die Diversifikation fort. Unter den Artikeln, die in der "Neuen Freien Presse" vom 11. Mai 1890 beworben werden, befinden sich jetzt "Zum Schutz der Gesundheit" der bereits bekannte "Rauchsauger" und darüber hinaus "Wäsche-Dampfkocher" sowie als "allerneueste französische Erfindung" schnell wärmende Badeöfen. Während dieser Ofen im ersten Auftritt das "für ein Wannenbad nöthige Wasser in acht Minuten" liefert, braucht der "Moment-Bade-Ofen" in der "Wiener Zeitung" vom 9. November 1890 schon 12 Minuten, vielleicht weil der Winter 1890 ein besonders strenger war?

Wie weiter oben schon zu lesen war, stammen die Rollbalken in den Hofmuseen aus dem Hause Rosenthal's Erben, darauf wird in diversen Einschaltungen auch gerne hingewiesen. Kurz vor der Eröffnung des Kunsthistorischen Museums wird im "Bautechniker" vom 3. Juli 1891 nochmals erwähnt, dass "alle erforderlichen grossen Fenster-Rouleaux" für das KHM geliefert wurden. Drei Wochen später erscheint die erste von zehn weiteren "Mittheilung" genannten Einschaltungen in ebendiesem Medium.

 

Im Viereck über dem Rollbalken sind ein Greifzirkel oder Außentaster zu sehen, ein Hammer, ein Dreieck, ein Stechzirkel und vielleicht eine Kelle und/oder Schraubendreher. Schaut so aus, als wären da mehrere Zünfte vereint.

Vierzehn Tage nach der Eröffnung des KHM veröffentlicht der "Bautechniker" und auch andere Zeitungen die in Würdigung ihrer Leistung durch den Kaiser verliehenen Auszeichnungen.

 

Die "volle Allerhöchste Anerkennung", war mit diversen Auszeichnungen gekoppelt, und zwar mit:

 

dem Orden der Eisernen Krone zweiter Classe,

dem Orden der Eisernen Krone dritter Classe,

dem Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens,

dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone,

goldenen Verdienstkreuz und

dem silbernen Verdienstkreuz mit der Krone.

 

Eine weitere Stufe darunter konnten sich Industrielle und Gewerbetreibende der "Allerhöchsten Anerkennung" erfreuen und zu den Betrieben, die mit der "Allerhöchsten Zufriedenheit" vorlieb nehmen mussten, gehört der Rollbalken-Fabrikant "T. Rosenthal's Erben", immerhin!

 

1892 gibt es (noch) nichts zu berichten, am 18. August 1893 warnt die "Arbeiterzeitung" vor den "schlechten Verhältnissen" und beklagt die Wochenlöhne von fl. 4,20, heute etwa 56 Euro. Wie die Arbeitsbedingungen damals waren, ist in Ansätzen im "Standard" vom 7. April 2008 nachzulesen.

 

Die Rosinagasse wurde nach der Gattin des Fünfhauser Bürgermeisters Anton Leydolt benannt. Ob er seine Liebste gelegentlich Rosine nannte, ist nicht überliefert, die Arbeiterzeitung hat in dieser Notiz jedenfalls eine aus ihr gemacht.

Die Werbung im "Neuen Wiener Journal" vom 29. Oktober 1893 liefert gleich ein paar interessante Einzelheiten. Es gibt eine vierstellige Telefonnummer, als Gründungsjahr ist 1795 angegeben, damit sind Rosenthal's Erben die älteste Firma, mit der ich mich derzeit beschäftige. Ich habe aber keine Ahnung, unter welchem Titel die Firma gegründet wurde.

 

Zur bisher üblichen Bezeichnung als "Rollbalken-Fabrik" kommt erstmals die "Portaltischlerei mit Dampfbetrieb". Zu den schon bekannten Produkten sind nun Schaufenster- und Geschäftseinrichtungen gekommen, sowie "pneumatische Thürschließer", von Wäsche-Dampfkochern und Badeöfen hat man zumindest in dieser Anzeige wieder Abstand genommen. Ich habe schon aus mehreren Funden erfahren, dass der Einbau der Rollbalken nicht zwingend Schlosserarbeit war, oft scheinen Tischler damit beauftragt worden zu sein.

Das Jahr 1894 bringt eine rege Inseratenkampagne, allerdings auf kleiner Flamme und im Telegrammstil. Bezugnehmend auf ihre Wurzeln als "Clark & Cie's Nachf." erscheinen ab 11. April 1894 untenstehende Anzeigen in der "Neuen Freien Presse". Die erste Welle läuft bis 10. Oktober, dann vom 2. März 1895 bis 8. Juni 1895, vom 30. September 1896 bis 19. Dezember 1896 und schließlich vom 7. April 1897 bis 25. Dezember 1897.

Weiter geht's ab 15. April 1894 im "Neuen Wiener Journal", bis 20. Mai werden hier, wieder in einer größeren Anzeige, vorrangig Rollbalken und Sonnenplachen beworben, außerdem werden Vertreter gesucht.

Übersichtlicher und klarer strukturiert wurde im "Freien Blatt - Organ zur Abwehr des Antisemitismus" inseriert. Neben den schon bekannten Rollbalken und Sonnenplachen wurde, optisch, ein gleich großer Schwerpunkt auf "Bücher-, Garderobe- und Actenkästen mit Rollthüren" gelegt. Insgesamt 37 mal wurde in diesem Blatt geworben, vom 24. Juni 1894 bis 18. November 1894, vom 21. April 1895 bis 3. November 1895 und zuletzt am 29. März 1896.

Vom 6. Juli 1894 bis zum 7. Dezember wird im "Bautechniker" mit einem ähnlichen Inserat geworben, auffallend ist dabei, dass als Firmenort zwar Fünfhaus angegeben wird, als Bezirk aber "WIEN, XIV.," und das konsequent durch alle Ausgaben. Am 14. Dezember schließlich wird hier verkündet, dass das "k. u. k. Obersthofmeisteramt [...] die Firma E. S. Rosenthal's Erben [...] in Kenntnis gesetzt hat, dass der Firma der Titel k. u. k. Hoflieferant verliehen wurde."

Im Sommer musste aber noch eine gefährliche Situation bewältigt werden - ein entlassener Heizer wurde an einem Racheakt gehindert, der Firmensitz vom "Bautechniker" diesmal nach Rudolfsheim verlegt.

1897 hat außer den oben bereits erwähnten Einschaltungen in der "Neuen Freien Presse" nur mit einer kurzen Notiz über einen "merkwürdigen Streik" in der "Arbeiterzeitung" vom 2. September aufzuwarten.

1898 sind die Einschaltungen in der "Neuen Freien Presse" noch kleiner, dafür zahlreicher geworden. Im "Warenverzeichniss für den Weltmarkt und Binnenhandel" sind auf einer Seite eine Vielzahl an Kleinstanzeigen alphabetisch aufgelistet, von "Auskünfte über Firmen und Private" bis zu "Zerkleinerungs-Maschinen". Die meisten sehen aus wie die unten abgebildete. Rosenthal's Erben werben in dieser Art vom 9. April bis 19. November 1898. Zu finden sind sie unter "Actenschränke", Plachen, Rollbalken und "Thürschliesser"

Nach den schnörkellosen, modernen Designs des Jahres 1894 schwelgt man mit folgendem Sujet wieder ganz in der "guten alten Zeit" und wird damit optisch keinen Leser des "Neuen Wiener Journals" überfordert haben. Allerdings ist die Anzeige auch nur einmal am 10. April 1898 erschienen.

Eine Erholung in ihrer geradlinigen Art ist dagegen die Anzeige vom 30. Juli 1898 im "Teplitz-Schönauer Anzeiger". Erstmals tauchen hier die "Panzerplatten-Rollbalken" auf.

Im "Bautechniker" vom 9. März 1900 wird ab Seite 4 ausführlich über "Die Bauten der Kaiser Franz Josef-I.-Jubiläums-Stiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrts-Einrichtungen in Wien" berichtet. Unter den ausführenden Firmen werden Johann Schubert für "Rouleauxarbeiten" und Rosenthal's Erben für "Rollbalkenarbeiten" erwähnt.

 

Aus dem "Neuen Wiener Tagblatt" vom 5. April 1902 ist zu erfahren, dass in der Kanzlei des Dr. Moriz Landau eine Gläubigerversammlung stattgefunden hat; die "Gesammtpassiven" der Firma E. S. Rosenthal's Erben betrugen demnach 300.000 Kronen, heute immerhin stolze 2.018.676 Euro.

 

Im, sehr abgespeckten, Inserat vom 24. Januar 1903 in der "Neuen Freien Presse" wird erstmals die Rosinagasse 19-21 als Firmensitz angegeben, beworben werden "Portale, Rollbalken aus Stahl und Holz, Sonnenplachen".

Im "Bautechniker" vom 1. April 1904 wird unter "Handelsgerichtliche Protokollirungen" Ida Rosenthal als ausgetreten gemeldet, und Dr. Max Landau als "nunmehriger Alleininhaber" angeführt.

 

Am 8. April 1903 erscheint eine Anzeige im "Lemberger Courier",

 

In der "Wiener Zeitung" vom 15. April 1916 wird die Löschung von Albert Landau als Geschäftsführer gemeldet und die Eintragung von Stefan Pimperl als neuer Geschäftsführer veröffentlicht. Am 4. Dezember 1925 wird ebenda die Löschung der "E. S. Rosenthal's Erben Gesellschaft m.b.H." verkündet, gleichzeitig wird Stefan Pimperl als Geschäftsführer gelöscht und als Liquidator eingesetzt, am 1. Mai 1926 werden die "Gläubiger aufgefordert, sich bei dem Liquidator Stefan Pimperl zu melden."

 

Hiermit enden meine Informationen, die ich bisher über ANNO beziehen konnte.