Rollbalken außerhalb Wiens

Ein besonderes Schmankerl findet sich im "Prager Tagblatt" vom 24. Januar 1879.

Hier wirbt die schon erwähnte Firma Clark & Comp. mit "Echt engl. Roll-Läden sicher vor Einbruch!" Clark und Comp. werden als Erfinder aufgeführt, "Generalrepräs. in Wien E. S. Rosenthal, f. Prag und Böhmen Jos. Denk". Kernstück dieser Einschaltung ist ein einziger Satz, in dem der Ärger, ja die Wut, natürlich auch Häme und Schadenfreude zu erkennen sind, mit denen der "Concurrent" H. J. Anderle bedacht wird. Man kann sich fast vorstellen, wie dieses Glanzstück der Anzeigendame diktiert wurde, womöglich ohne dazwischen auch nur einmal Luft zu holen. Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich den Text in der Originalformatierung hier übertragen:

 

"Es diene sämmtl. P. T. Geschäftseigenthümern, deren Gewölbe

mit echt englischen Roll-Läden von den Ingenieuren Clark &

Comp., verwahrt sind, zur hochbefriedigenden Beruhigung, daß

die bedauerlichen u. so oft sich wiederholenden Einbruchsvorfälle

bei diesen von sich selbst aufwickelnden, aus gewelltem, echt engl.

Stahlbleche verfertigten und mit einem (bei Abgang des Original=

Schlüssels) selbst von einem Schlosserarbeiter nur mit größter Mühe

aufsperrbaren, patent. Schlosse versehenen Verschlußläden am Prager

Platze mit keinem einzigen Beispiele zu verzeichnen sind – uns es

daher zur Vermeidung möglicher Verwechslung mit anderen am

selben Platz sich nicht bewährenden Systemen zu bemerken bleibt,

daß das durch den eklatanten Diebstahl hart betroffene Juwelier=

Geschäft der Hrn. Muneles & Inwald am Graben (Dörfle=

risches Haus) nicht mit den einbruchsicheren Roll-Läden von Clark

& Comp., welche den concurrentiellen Wortkampf siegreich über=

lebten und manchem Angriffe frechen Einbruches tapfer widerstanden,

verwahrt, sondern mit H. J. Anderle's wegen einem leicht

aufsperrbaren, weil copirbaren Schlosse weniger genügenden Roll=

Laden verschlossen wurde."

 

Wie würde man heute sagen? "So muss Werbung!"

 

Die "Steyrer Zeitung" vom 16. September 1883 erwähnt einen Leopold Stummer in Steyr mit seinen "neuen geräuschlosen Rollbalken aus Stahlblech".

 

Am 21. September 1884 erfahren wir im Rahmen der "Zeitungspolemik" zwischen Rosenthal's Erben und Johann Anderle aus den "Neuen Freien Presse", dass "E. S. Rosenthal's Erben [...] an die hohe k.k. österreichische Regierung, an die französische, englische, serbische, rumänische und egyptische Regierung wiederholt Rollbalken geliefert [...] haben."

 

Im "Prager Abendblatt" vom 30. Juli 1888 empfiehlt sich "Josef Bothe in Karlsbad den Herren Architekten..." und wirbt mit der "Goldenen Medaille SAAZ 1887" für seine geräuschlosen Rollbalken

 

Im "Vorarlberger Volks-Blatt" vom 23. Mai 1890 "offerirt Josef Pircher's Eisenhandlung in Bregenz (...) Stahl-Rollbalken zu billigsten Preisen."

 

In jüngster Zeit konnte ich mich über ein paar wenige Funde in Bad Radkersburg und Scheibbs freuen, ein kurzer Ausflug nach München blieb ergebnislos, ebenso die Auslagerung der Suche an einen Schulfreund in Berlin.

 

 

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